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More Than Honey

(More Than Honey, 2012)

Dt.Start: 08. November 2012 Premiere: 11. August 2012 (Festival, Schweiz)
FSK: o.A. Genre: Dokumentation
Länge: 94 min Land: Schweiz, Deutschland, Österreich
Darsteller: n/a
Regie: Markus Imhoof
Drehbuch: Markus Imhoof


Inhalt

Für einen Dokumentarfilm über das Leben der Bienen ist Regisseur Markus Imhoof um die halbe Welt gereist, hat mit Imkern und Wissenschaftlern über das Insekt und die Gefahr des Bienensterbens gesprochen. Auf dieser Reise hat er beeindruckende Bilder eingefangen, die den Betrachter ganz tief ins Universum der Bienen eintauchen lassen. Ob das Leben im Inneren des Bienenstocks oder die Begattung einer Königin im Flug - Imhoofs Kamera ist hautnah dabei.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

More Than Honey hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 75%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
More Than Honey hat eine Wertung von 75%
Unsere Bienen sterben. Das ist eine globale Tatsache. Seit einigen Jahren werden jedes Jahr Millionen von Bienenvölkern von einem geheimnisvollen Phänomen dahingerafft. Schlimm genug für die Imker. Dass der Honig im Supermarkt teurer werden könnte, ist jedoch noch das geringste Übel. Der Großteil des pflanzlichen Lebens ist von einer Bestäubung durch die Bienen abhängig. Ohne diese droht eine ökologische Katastrophe und selbst unser Schicksal hängt mittelfristig davon ab. More Than Honey greift ein immens wichtiges Thema auf. Die leicht poetische Art der Inszenierung beraubt den Film aber etwas seiner Bedeutsamkeit.

Bild aus More Than Honey Honig, das ist der goldgelbe naturreine Vitalstoff, den wir uns mit Vorliebe aufs Brot streichen. Wir vertrauen diesem Image und denken lieber nicht daran, dass Honig im Grunde nichts weiter ist, als Blütennektar, der mit dem Speichel der Bienen vermischt und anschließend fermentiert wurde. Ob es einem nun gefällt oder nicht: Tatsache ist, ohne Bienen kein Honig. Menschen und Bienen verbindet aber weitaus mehr, als die Kunst der Imker, der wir den leckeren Brotaufstrich verdanken. Ohne die Bienen würde vermutlich ein immenser Teil unserer Landwirtschaft zusammenbrechen. Über 30 Prozent der früchtetragenden Nutzpflanzen werden schließlich unmittelbar durch Bienen bestäubt. Man stelle sich einmal die Folgen vor, wenn beispielsweise allein Apfel-, Birnen-, Pflaumen, Aprikosen-, Kirsch- und Pfirsichbäume plötzlich kaum noch Früchte tragen würden.

Ist das aber überhaupt vorstellbar? Bienen gehören als Insekten schließlich einer Tiergruppe an, die älter als die Dinosaurier ist. Überdies findet man sie auf allen Kontinenten (sieht man einmal von der Antarktis ab). Wie sollten sie dann also plötzlich verschwinden können? Tatsächlich scheint derzeit gerade das zu passieren. Der Filmemacher Markus Imhoof, der selbst aus einer Imkerfamilie stammt, versucht in seiner Dokumentation More Than Honey einem mysteriösen Bienensterben auf die Schliche zu kommen, das seit ein paar Jahren grassiert und weltweit jährlich die Bestände drastisch dezimiert. Sollte dies weiterhin Anhalten, würde es über kurz oder lang, neben den primär wirtschaftlichen Schäden für die Imker zu einer ökologischen Katastrophe führen und zuletzt zu einem Zusammenbruch der globalen Nahrungsmittelproduktion. Derart abhängig sind wir von diesen kleinen Insekten, obwohl wir selten einen Gedanken daran verschwenden und sie meist eher als Störenfriede beim Kaffeekränzchen im Freien empfinden.

More Than Honey ist eine visuell ansprechende Doku, die mit ihren teils spektakulären Bildern aus dem Bienenleben sowie Eindrücken aus imposanten Landschaften versucht, Atmosphäre zu erzeugen. Dazu soll sicherlich auch der Score beitragen, der aus Streichern bestehend fortwährend an Bienensummen erinnert. Imhoof vernachlässigt die sachbezogene Seite seines Filmes darüber aber nicht, der schließlich ein überaus ernstes um nicht zu sagen existenzielles Thema aufgreift. Imker, Wissenschaftler und auch Vertreter der Wirtschaft kommen zu Wort. Dies auf aller Welt und auf mehreren Kontinenten. Eindeutige Antworten gibt es allerdings nicht. Das Phänomen bleibt im Kern unerklärlich, wenn es auch viele Akteure, wie Monokulturen, Antibiotika, Fungizide, Pestizide und vampirische Milben gibt, mit denen sich unsere Hausbienen herumschlagen müssen. Eines kann aber mit Sicherheit festgehalten werden: Industrialisierung und Kommerz haben dazu geführt, dass die Bienen gewaltig unter Stress stehen und das bekommt ihnen nicht gut.

Die gemeinsame Kulturgeschichte von Biene und Mensch ist alt. Eine organisierte Bienenzucht existiert mindestens seit viereinhalb tausend Jahren. Seit der Zeit der Hochkulturen in Mesopotamien. Inzwischen ist unsere Abhängigkeit von der Biene immens. Die Vielfalt des pflanzlichen Lebens auf der Erde hängt von ihr ab und dadurch mittelbar auch eine beträchtliche Zahl an Tierarten - und zuletzt, natürlich auch wir selbst. Dementsprechend sollte man sich von einem Naturfilm wie More Than Honey eigentlich überaus alarmiert fühlen; vielleicht sogar die Bedrohung greifen können. Bilder und musikalische Untermalung verleihen der Dokumentation jedoch eine leicht poetische Seite, die dem Schrecken etwas das Fundament raubt. Zudem wirkt der Film wie ein Globalisierungsrundumschlag, der auf alle möglichen Ursachen hingewiesen und alle Probleme zumindest einmal erwähnt haben will, ohne zu versuchen, das Problem konsequent in der Tiefe auszuloten.

Interessanterweise existiert eine Doku, die genau das gleiche Thema behandelt, sich aber in Ton und Analyse wesentlich nüchterner gibt, somit auch die Fakten wesentlich strukturierter aufbereitet. Mark Daniels Film Das Geheimnis des Bienensterbens, der Ende September 2012 auf arte zu sehen war und auch als DVD erhältlich ist, hat ähnliche Verdächtige als Verursacher des Bienensterbens im Visier: Pflanzenschutzmittel, genetische Verarmung der Bienenvölker, parasitäre Milben, übertragene Viren und Erreger. Wesentlich dezidierter als in More Than Honey wird aber die wissenschaftliche Spurensuche und der Kampf gegen das Bienensterben beleuchtet. Die spektakulären Bilder bleiben aus, ebenso die Streicheruntermalung, dafür wirkt der Film gehaltvoller, wenn auch vielleicht ein wenig "durchgeschult". Welche Inszenierungsart man jedoch auch bevorzugt, das Thema ist auf jeden Fall bedeutsam genug, um sich damit auseinanderzusetzen.



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