Kevin James, der bullige Lieferwagenfahrer aus der bekannten Kult-Comedy-Serie ist zurück auf der großen Leinwand, und diesmal heißt es: Are you ready to rumble?. Als Biologielehrer und Ex-Wrestler, der seiner Schule und seinem Kollegen finanziell aus der Patsche helfen möchte, steigt er als Mixed-Martial-Arts-Kämpfer in den Käfig, um mit Niederlagen Geld zu machen. In vielen Punkten durchaus gelungen, hätte man sich in Das Schwergewicht zumindest hin und wieder eine etwas differenzierte Sicht auf einen wirklich gefährlichen Sport gewünscht.
Als trotteliger IPS-Fahrers Doug Heffernan aus der Comedy-Serie King of Queens avancierte Kevin James zum Kult. Nach neun Staffeln und sage und schreibe 207 Episoden war allerdings Schluss mit der TV-Karriere und James wagte den Sprung auf die große Leinwand. 2005 hatte er in Hitch - Der Date Doktor an der Seite von Superstar Will Smith seine erste größere Kinorolle. Es folgten Filme wie Chuck und Larry, Der Kaufhaus Cop oder Der Zoowärter. Im Grunde blieb James aber immer in seiner alten Rolle verhaftet: dem leicht trotteligen wie etwas überdrehten Dicken.
In Das Schwergewicht schlägt er zwar nicht komplett neue Wege ein, beweist aber, wie bereits in Dickste Freunde, dass er auch andere Typen darstellen kann. Dafür hat sich der 47-Jährige in eine durchaus ansehnliche Form gebracht. Der Bauch ist zwar nicht gänzlich weg, immerhin zeichnet sich aber dort ein Bizeps ab, wo man Oberarmfett vermutet hätte. Muskeln hat er in dieser Rolle auch durchaus nötig. Als Scott Voss, Biologielehrer und ehemaliger High-School-Ringer, tritt er in Käfig-Kämpfen an, um Gelder für die Schule aufzutreiben, in der er beschäftigt ist. Finanziell heruntergewirtschaftet und mit knapp 50.000 Dollar in den Miesen, hat sich die Schulleitung entschlossen, den Musikbereich wegzurationalisieren. Diese Maßnahme würde auch die Stelle des gutherzigen Musiklehrers Marty Streb (Henry Winkler) treffen, dessen Frau überdies schwanger ist. Ehrensache für Scott, das er dies zu verhindern versucht, und sei es dadurch, dass er sich im Ring vermöbeln lässt.
Angenehm geerdet kommt Das Schwergewicht streckenweise daher. James spielt deutlich zurückhaltender und macht sich nicht ständig zum Affen; zu einem Alphamännchen ist er in seiner neuen Rolle jedoch nicht gleich avanciert. Zumindest konnte er aber einiges vom klischeehaften Image des Dicken abgelegen. In Liebesangelegenheiten fischt sein Filmcharakter allerdings im Trüben, was insbesondere dann auffällig wird, wenn er wieder mal versucht, die Schulkrankenschwester Bella Flores (Salma Hayek) zu einem Date zu bewegen und ein ums andere Mal einen Korb kassiert. Hayek ist in dieser Rolle zwar sichtlich unterfordert, sorgt aber für einige wirklich gute Augenblicke und wertet den Film insgesamt auf.
Für die hiesigen Geschmäcker könnte sich der Umstand jedoch als problematisch erweisen, dass in der Nebenhandlung eine ganz schön kräftige patriotische Suppe angerührt wird. Scott gibt vor seiner Ring-Karriere den Aushilfslehrer im Einbürgerungskurs, und irgendwie schleicht sich dabei das Gefühl ein, dass hier dem Publikum mit sanftem Nachdruck vermittelt werden soll, dass es nichts Schöneres auf der Welt gibt, als die US-Staatsbürgerschaft in Händen zu halten. Negativer als das könnte allerdings der Umgang mit dem Thema Gewalt auffallen. Zwar wird das Kämpfen an sich nicht unmittelbar verherrlicht, eine gewisse Heroisierung der Käfig-Gladiatoren bleibt dennoch nicht aus. Bedenklich ist, dass eine Sportart wie die Mixed Martial Arts, die aktuell durch massives Marketing global gepuscht wird, de facto aber extrem gefährlich ist, zum Vorbild genommen wird, um Heranwachsenden zu veranschaulichen, wie es möglich ist, über sich hinauszuwachsen, wenn man an sich und die Richtigkeit dessen glaubt, wofür man sich einsetzt.
Ein wenig erinnert Das Schwergewicht vom Plot her an Warrior, in dem ebenfalls ein Lehrer gezwungen wird, (wieder) in den Ring zu steigen. Warrior verharmloste das Geschehen im Ring aber zu keiner Zeit, wies im Gegenteil ausdrücklich auf die gnadenlose Brutalität der Kämpfe hin und gab sich insgesamt deutlich reflektierter. Soviel Tiefgang darf man nun vielleicht von einer Komödie nicht unbedingt erwarten, jedoch auch nicht, dass sie sich als Werbespot der Ultimate Fighting Championship (UFC), der größten amerikanischen Mixed-Martial-Arts-Organisation, herausstellt.
Kurzweilig und oberflächlich unterhaltsam ist Das Schwergewicht ohne Zweifel. Die Handlung entbehrt einer gewissen Ironie nicht. Wobei sich insbesondere bei den pathetischen Einlagen mitunter die Frage aufdrängt, ob die Inszenierung nicht ihrer eigenen Suggestion anheimfiel. Zum Ausgleich gibt es einige Gags, die durchaus gut funktionieren, und nur selten wird es grenzwertig zotig. Die Dialoge sind nicht gerade zum Weglaufen, wirken mitunter sogar pointiert, und das gesamte Geschehen erscheint trotz Vorhersehbarkeit nicht übertrieben eindimensional. Wer also die patriotischen Plattitüden und die pädagogisch anzweifelbare Wirkung von Käfig-Kämpfen außen vor lässt, sollte auf seine Kosten kommen.