|
|
 |
 |
 |
 |
 |
Argo(Argo, 2012)
| Dt.Start: |
08. November 2012
|
 |
Premiere: |
31. August 2012 (Festival, USA) |
| FSK: |
ab 12
|
Genre: |
Drama, Thriller |
| Länge: |
120 min
|
Land: |
USA |
|
Darsteller:
|
Ben Affleck (Tony Mendez), Bryan Cranston (Jack O'Donnell), Alan Arkin (Lester Siegel), John Goodman (John Chambers), Victor Garber (Ken Taylor), Tate Donovan (Bob Anders), Clea DuVall (Cora Lijek), Scoot McNairy (Joe Stafford), Rory Cochrane (Lee Schatz), Christopher Denham (Mark Lijek), Kerry Bishé (Kathy Stafford), Kyle Chandler (Hamilton Jordan), Chris Messina (Malinov) |
|
Regie:
|
Ben Affleck |
|
Drehbuch:
|
Chris Terrio, Joshuah Bearman |
|
 Inhalt
Während der iranischen Revolution werden am 4. November 1979 52 Amerikaner in Teheran als Geiseln genommen. Sechs von ihnen gelingt es, sich unbemerkt davon zu stehlen und in das Haus des kanadischen Botschafters zu flüchten. Nun sollen sie in einer Hollywood-reifen Geheimaktion von der CIA in Sicherheit gebracht werden. |  |
|
Durchschnittliche Redaktionswertung
Kurzkritik
von Daniel Licha
Hätte man vor fünf Jahren gesagt "Ben Affleck hat's halt einfach drauf", dann wären einem sicherlich die Kommentare um die Ohren geflogen. Seit Gone Baby Gone hat sich diese Meinung revidiert, denn ungeachtet von seinem schauspielerischen Talent serviert er uns mit Argo nun nicht nur seinen bislang besten Film, sondern setzt dabei seine eindrucksvolle, perfekte Serie auf dem Regiestuhl fort. Das größte Lob dabei gleich vorweg: Während sich die meisten Regisseure bei einem solchen Mix gerne verheben, gelingt es Affleck, einen hochspannenden Polit-Thriller zu inszenieren, der den Zuschauer angespannt an den Fingernägeln kauen lässt und dabei sein Publikum gleichzeitig mit dieser absurden wahren Begebenheit immer wieder mit humoristischen Brüchen unterhalten kann, ohne dass diese dabei auch nur im Ansatz unpassend oder gestellt wirken. Im Grunde hat Argo (sieht man einmal davon ab, dass von der wahren Geschichte wenig übrig blieb) keinerlei Schwächen, ist perfekt ausgestattet, lebt dabei von seiner tollen Idee und ist wohl mit das Spannendste, was es in den letzten 1 bis 2 Jahren in die deutschen Kinos geschafft hat. Definitiv ein Must-See!
Kritik
von Dimitrios Athanassiou
Argo hieß das Schiff der legendären Argonauten, die sich in der griechischen Mythologie auf die Suche nach dem Goldenen Vlies machten. Auch im gleichnamigen Agententhriller kommt ein Schiff vor, in einem Drehbuch. Ein Raumschiff, das Teil eines Films ist, der im Iran gedreht werden soll. Im Grunde ist jedoch auch das nichts weiter als Lug und Trug. Ben Afflecks Argo erzählt die Story einer spektakulären CIA-Mission, für die eine Film-Fakeproduktion eines Trash-Movies die Tarnung für die Außerlandesschaffung von sechs im Iran Chomeinis festsitzenden Amerikanern lieferte. Spannendes und abwechslungsreiches Kino mit einer Spur Anspruch und einigen kritischen Untertönen, die der Film aber nicht konsequent durchhält.
Die Geister, die ich rief, nimmer werde ich sie los! Den US-amerikanischen Regierungen der letzten Jahre und Jahrzehnte mag dieser geflügelte Satz möglicherweise des Öfteren durch die Köpfe gegangen sein. Ob beispielsweise Saddam Hussein oder Osama bin Laden, immer wieder sah sich die Weltmacht USA im Nachhinein gezwungen, die Dämonen zu beseitigen, die sie selbst heraufbeschwor. In den 70er- und 80er-Jahren war man dort der Meinung, es wäre in "sensiblen Staaten", die man gerne unter Kontrolle behalten würde, besser, durch Geheimdienstmachenschaften einen amerikafreundlichen Diktator zu installieren, als diese Länder einer eigenständigen politischen Entwicklung zu überlassen - so auch im Iran.
1953 wurde auf diese Weise die einzige jemals demokratisch gewählte Regierung Irans gestürzt und durch das Regime Schah Mohammad Reza Pahlavis ersetzt. Während dieser mit Familie im Luxus schwelgte, wurden oppositionelle Stimmen brutal im Keim erstickt und das Volk dem Hunger preisgegeben. Als Antwort erfolgte die Islamische Revolution 1979 mit der Rückkehr Ayatollah Chomeinis aus dem Exil, samt Sturz des Schahs und der Errichtung eines Gottesstaates. Es folgten Lynchjustiz und Exekutionen an den Schah-Getreuen. Dem Shah selbst gelang allerdings die Flucht in die USA, wo er wohlwollend aufgenommen wurde. Erzürnte Massen stürmten in der Folge die amerikanische Botschaft, nahmen 60 Bedienstete als Geisel und forderten seine Auslieferung. Sechs Botschaftsangestellten war es aber klammheimlich gelungen, sich in Sicherheit zu bringen und beim kanadischen Botschafter Zuflucht zu finden. Es folgte eine der waghalsigsten Missionen, um diese sechs wieder heil in die USA zu bekommen.
Der CIA-Mann Tony Mendez (Ben Affleck) wendet sich an den Oscar-prämierten Maskenbildner John Chambers (John Goodman) und den Regisseur Lester Siegel (Alan Arkin) mit einem hanebüchenen Plan, um sechs im Iran festsitzende Botschaftsbedienstete außer Landes zu schaffen. Als Produzent einer Filmgesellschaft will er dorthin reisen, um mögliche Drehplätze auszukundschaften und alsdann mit den sechs Amerikanern, die von den kanadischen Behörden Pässe erhalten sollen, als Teil der Filmcrew wieder zurück zu reisen. Um das Ganze glaubwürdig zu machen, wird die übliche Werbemaschinerie einer Filmproduktion in Gang gesetzt: Eine Produktionsgesellschaft wird gegründet, Lizenzen erworben, ein Drehbuch eingekauft, Darsteller gecastet; es gibt Presseberichterstattung, Filmplakate und PR-Veranstaltungen. Man versucht an alles zu denken, sodass kein Argwohn entsteht. Im Iran angekommen, wird die Situation aber schnell brenzlig. Die iranischen Sicherheitsbeamten ahnen, dass sie nicht alle Botschaftsangestellte in ihre Hände bekommen haben. Und sie stehen kurz davor, den Aufenthaltsort der sechs fehlenden ausfindig zu machen.
Mit Argo liefert Affleck nach The Town und Gone Baby Gone wieder einmal den Beweis, dass er ein weitaus besserer Regisseur denn Schauspieler ist. Vor allem die erste Hälfte des Filmes hat es in sich, in der - für eine amerikanische Produktion sehr untypisch - zumindest einmal deutlich geäußert wird, dass die USA im Grunde selbst die Verantwortung an dem trägt, was im Iran durch die Islamische Revolution ausgelöst wurde. Mit einer ordentlichen Portion Sarkasmus wird zudem die Illusionsschmiede Hollywood und das schmierige Winkeltheater des CIA gegenübergestellt - und siehe da: Es gibt mehr Gemeinsamkeiten, als man vielleicht für möglich gehalten hätte.
Grenzte die erste Hälfte des Films beinahe an eine Satire, lebt die zweite hauptsächlich von der Spannung eines üblichen Politdrama/Agententhriller-Mixes. Kurioserweise hilft es hier, einmal über die ganzen politischen Hintergründe nicht ganz exakt im Bilde zu sein; desto entspannter kann man sich einfach dem Film hingeben, ohne weiterreichende Fragen zu stellen. Von den Darstellern stechen vor allem Goodman und Arkin heraus. Affleck, der eine tragende Rolle innehat, agiert derart zurückgenommen - mit Vollbart und langem Haar erkennt man ihn zudem kaum - dass er regelrecht ungreifbar gerät; was allerdings angesichts der Rolle gar nicht unpassend erscheinen will.
Filme wie Argo oder vor einiger Zeit George Clooneys The Ides of March (Clooney war überdies auch an der Produktion von Argo beteiligt) sind vortreffliche Beispiele dafür, dass es nicht immer nötig ist, gleich im Arthouse-Bereich zu suchen, um sich mal prächtig mit einer Spur Anspruch zu unterhalten. Leider muss sich Argo aber gegen Ende verstärkt den Vorwurf gefallen lassen, dass er seine kritische Distanz fallen lässt und auch die freche Unverfrorenheit, mit der er Geheimdienstreiben und Filmzirkus vermischte, plötzlich aufgibt, zugunsten eines fast schon unvermeidlichen sülzigen patriotischen Pathos, das als finaler Eindruck das Vergnügen etwas schmälert.  Weitere interessante Filme
|
 |
 |
 |
 |
© 2013 MovieMaze.de |
 |
 |
 |
|