Jon Avnets Verfilmung von Fannie Flaggs Erfolgsroman kann zwar durch ausgezeichnete schauspielerische Leistungen und eine sehr gefühlvolle Inszenierung überzeugen, allerdings stören die relativ unnötige Rahmenhandlung und einige zähe Längen den Filmfluss erheblich. So kommt der Film am Ende leider nicht über das Mittelmaß hinaus.
Die Verfilmung eines Buches stellt für Drehbuchautoren und Regisseure immer eine gewisse Herausforderung dar. Nicht nur, dass jeder Leser bereits ein vorgefertigtes Bild der Figuren hat, sondern auch viele in einem Roman verwendete Kniffe, wie Gedankengänge oder Zeitsprünge, sind in einem Film sehr schwer zu realisieren. Jon Avnet (Kurzer Prozess - Righteous Kill) versucht in seiner Verfilmung des preisgekrönten Romans von Fannie Flagg, das zweite Problem durch eine Rahmenhandlung zu umgehen:
Evelyn (Kathy Bates, Midnight in Paris) ist eine Hausfrau mittleren Alters, die unter einem sehr geringen Selbstwertgefühl und der wenigen Beachtung durch ihren Ehemann leidet. Durch einen Zufall lernt sie die im Altersheim lebende Ninny Threadgoode (Jessica Tandy, Nobody's Fool - Auf Dauer unwiderstehlich) kennen, die ihr die Lebensgeschichte der einst in ihrem Ort lebenden Frauen Idgie und Ruth erzählt. Deren Lebensgeschichte fasziniert Evelyn derart, dass sie die alte Frau immer wieder besucht, um zu erfahren, wie es weiter geht. Im Verlauf dieser Treffen entwickelt Evelyn zunehmend Selbstbewusstsein.
Diese Rahmenhandlung mag zwar den Einstieg in die eigentliche Handlung für die Macher auf jeden Fall vereinfacht haben, jedoch ist es auch genau diese Rahmenhandlung, die dem Film am meisten schadet. Nun ist es mit Sicherheit nicht per se ein Fehler, eine Erzählung in eine Rahmenhandlung einzubetten, gibt es dafür doch unzählige Beispiele in der Filmhistorie, wie Robert Zemeckis' Forrest Gump oder Frank Darabonts The Green Mile, in denen dies wunderbar funktionierte. Doch der Storyplot um die Entwickelung Evelyns hat zum einen einfach zu wenig Zeit, um sich glaubhaft zu entfalten, zum anderen spielt sie im Zuschauerinteresse eine derart unwichtige Rolle, dass diese Szenen die meiste Zeit eher störend wirken.
Die wirkliche Haupthandlung um die Freundschaft der draufgängerischen Idgie (Mary Stuart Masterson, The Insurgents) und der braven Ruth (Mary-Louise Parker, R.E.D. - Älter, Härter, Besser), die zusammen mit unzähligen Problemen zu kämpfen haben, weiß im Gegensatz dazu trotz einiger Längen zu gefallen. Dies liegt zu einem großen Teil an der gelungenen Inszenierung von Jon Avnet (Kurzer Prozess - Righteous Kill), der hier die vielleicht beste Arbeit seiner Karriere abliefert. Denn Avnet findet hier die optimale Mischung zwischen temporeicher Unterhaltung und gefühlvoller Ruhe.
Zum anderen ist es natürlich auch der Verdienst des durch die Bank hinweg gut aufspielenden Darstellerensembles, dem es problemlos gelingt, mit viel Charme die eine oder andere Länge zu überspielen. Die beiden Hauptdarstellerinnen Mary Stuart Masterson und Mary-Louise Parker wirken in ihren unterschiedlichen Rollen die komplette Spielzeit über überzeugend und sympathisch. Gleichzeitig spürt man zwischen den beiden auch eine wunderbare Chemie, die einen die innige Freundschaft die gesamte Zeit über spüren lässt. Doch auch die Nebendarsteller um den erstklassig aufspielenden Raynor Scheine machen ihre Sache hervorragend und tragen ihren Teil dazu bei, dass der Film einen unglaublichen Charme entwickelt. Auch die beiden Rahmenhandlungsprotagonistinnen Kathy Bates und Jessica Tandy machen ihre Sache gut. Doch auch sie können nichts dagegen ausrichten, dass ihre Auftritte die komplette Zeit über störend empfunden werden.
So hätte Grüne Tomaten durch eine gelungene Regie und seinen erstklassig aufspielenden Cast in jedem Fall die Chance gehabt, ein erstklassiger Film zu werden. Doch leider mindern einige Längen und vor allem die furchtbar störende Rahmenhandlung das Filmvergnügen am Ende ein wenig. So muss man das Werk von Jon Avnet doch nur im oberen Mittelmaß einordnen.