In vielen Punkten kann man Produzent John Lasseter nur zustimmen, wenn er sagt: "The hallmark of a Disney film is the heart and it's the foundation of Wreck it Ralph. It is one of the funniest films I've been associated with - so clever and beautiful. But it's the heart that just catches you by surprise." Den Highscore bricht die animierte Videospielhommage allerdings nicht.
Diesen Umstand darf man jedoch nicht der inhaltlichen oder visuellen Gestaltung des Werks ankreiden. Ganz im Gegenteil: Der Film selbst ist eine Wucht und steckt viele Genrekonkurrenten locker in die Tasche. Die Geschichte von Videospielbösewicht Randale-Ralph (engl. John C. Reilly/dt. Christian Ulmen), der in seinem Arcadespiel "Fix-it Felix Jr." immer den "Bad-Guy" verkörpert, bis er schließlich, aufgrund fehlender Anerkennung, sein Game verlässt, ist ein Fest für die Sinne. Frei nach dem Motto des Altmeisters Walt Disney, der stets für jeden Lacher auch eine Träne forderte, hetzt der Streifen seinen Protagonisten von einem aberwitzigen Spieluniversum zum nächsten, ohne dabei gefühlsmäßig ins Abseits zu driften. Ob realistischer Sci-Fi-Shooter oder kunterbunter Kartracer, für jeden Geschmack wird hier etwas geboten. Gestandene Zocker werden wohl die eine oder andere Nostalgieträne vergießen müssen, denn nicht nur dem alten Street Fighter wird hier mehr als offensichtlich gehuldigt, sondern auch ein kleiner, blauer Igel flitzt durch einige Filmminuten. Die zahlreichen weiteren "Easter Eggs" werden natürlich nicht verraten.
In der zweiten Hälfte kann Ralph reichts dann aber auch mit eigenen Kreationen punkten. Besonders ins Zentrum rückt die vorlaute Vanellope von Schweetz (engl. Sarah Silverman/dt. Anna Fischer), die ähnlich wie Ralph eine eher undankbare Rolle in ihrer Welt "Sugar Rush" ausfüllt. Sie ist ein sogenannter "Glitch", ein Fehler im Spiel, der eigentlich gar nicht existieren dürfte. Gemeinsam versuchen die beiden Außenseiter nun, den wahren Helden in sich zu wecken. Aber Eile ist geboten, denn bevor in der kultigen Arcade-Halle die Lichter angehen und zahlreiche Kinder die Automaten stürmen, müssen die zwei Chaoten wieder "ready for action" sein, sonst heißt es "Game Over".
Selbstverständlich funktioniert das Werk meist nur über die vielen Referenzen zu alten Spielhallenklassikern und bezieht auch einen Großteil seiner Gags aus dieser Quelle. Dennoch bleibt er über die gesamte Laufzeit recht unterhaltsam, wenn auch mit kleinen Längen. Ein ähnliches Humorfeuerwerk wie im diesjährigen Hotel Transsilvanien sollte man aber nicht erwarten, dafür bietet Ralph reichts auf dem emotionalen Level mehr fürs Herz. Die Figuren sind trotz ihres spielerischen Hintergrundes glaubhaft gezeichnet, könnten jeden Niedlichkeitspreis abstauben und werden so zum stärksten "Power-Up" der Story.
Das größte Problem des Films liegt aber, wie bereits erwähnt, nicht in seinem Inneren. Es ist die Zeit, in der Regisseur Rich Moore sein Baby veröffentlicht. Videospiele sind gerade in der Mitte der Gesellschaft angekommen und schielen gerade in die Richtung einer anspruchsvollen Kunstform, da wäre dieser Brückenschlag gerade richtig gewesen, um die einstige Außenseiterrolle des Mediums zum Thema zu machen und ein wenig über den Tellerrand zu blicken. Die entsprechende Metaebene hätte man wunderbar über die einzelnen Charaktere herstellen können, ohne den Status eines Familienfilms zu gefährden. Ja, "hätte" man, wäre da nicht der Konjunktiv. So bleibt der Streifen ein netter Blick in die Vergangenheit, ein Fest für Retro-Fans plus Nachwuchs und trotzdem eine Enttäuschung auf hohem Niveau. Die Verpackung stimmt, wirkt ausgefallen, ideenreich und neu, nur der Inhalt, so berührend und unterhaltsam er auch sein mag, tritt auf der Stelle. Etwas mehr von Disneys neu erworbenem Pixar-Flair und wir würden hier über einen modernen Klassiker sprechen.
Ralph reichts traut sich was! Genau wie sein Titelheld begibt sich der Film thematisch in neue Welten. Die Reise ist kunterbunt, einfallsreich, getragen von einem peitschenden Soundtrack und voller Tränen der Trauer, sowie der Freude. Eben ein echter Disney. Doch der nostalgische Trip führt nur in eine verträumte Vergangenheit und endet schließlich in einer Sackgasse. Es fehlt der Weitblick, ein aktuelles Statement, das in subtiler Form so gut zwischen Ralphs Hosenträger gepasst hätte.
P.S.: Das 3D bleibt, wie beinahe immer, ein netter Zusatz, mehr nicht!