Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann? Niemand, und das fuchst ihn gewaltig. Also startet er einen Angriff auf die Kinder dieser Welt. Die Hüter des Lichts - Weihnachtsmann, Osterhase, Zahnfee und Sandmännchen - stellen sich dagegen und erhalten Unterstützung von Jack Frost, der auf der Suche nach seiner Bestimmung ist. Dreamworks vollzieht mit seinem neuesten Animationsfilm eine Kehrtwende und konzentriert sich auf die einstige Kernzielgruppe: die Kinder dieser Welt. Doch dem Film mangelt es an spritzigen Einfällen.
17 Jahre ist es her, da revolutionierte Pixar in Co-Produktion mit dem früheren Stammhalter Walt Disney den Animationsfilm. Toy Story kam in die Kinos und verzückte nicht nur durch seine faszinierende Herstellung. Seitdem waren Animationsfilme vor allem dann erfolgreich und gut, wenn sie es schafften, vom alten Image des Kinderfilms loszukommen und ein breiteres, auch erwachsenes Publikum anzusprechen. Das begriff man kurz darauf auch bei Dreamworks. Mit Shrek - Der tollkühne Held und seinen kommerziell noch immens erfolgreicheren Sequels schuf das Studio tatsächlich einen Helden - einen für die ganze Familie. Die Hüter des Lichts zielt wieder auf die kindliche Kerngruppe ab, hat aber nur eine rudimentär mitreißende Story zu bieten.
Der junge Jack Frost (im Original gesprochen von Chris Pine, in der Synchronisation von Florian David Fitz) ist ein Tunichtgut, der sich seine Zeit auf Erden damit vertreibt, Eis und Kälte zu verbreiten und Kindern bei Schneeballschlachten und Schlittenrennen zuzusehen. Einst ausgewählt vom Mann im Mond, ist er auf einer jahrhundertelang erfolglosen Suche nach seiner wahren Bestimmung. Die offenbart sich ihm, als Pitch, der Schwarze Mann, aus seinem finsteren Versteck auftaucht und den so genannten Hütern des Lichts den Krieg erklärt.
Pitch ist neidisch auf den Weihnachtsmann (Alec Baldwin/Klaus-Dieter Klebsch), den Osterhasen (Hugh Jackmann/Matze Knop), die Zahnfee (Isla Fisher/Hannah Herzsprung) und das (stumme) Sandmännchen, weil die Kinder an sie glauben und sie vergöttern, ihn aber weder kennen noch fürchten. Weil die Hüter des Lichts allein gegen den kraftstrotzenden Bösewicht hilflos unterlegen sind, soll ihnen Jack Frost zu Hilfe eilen. Der sträubt sich zunächst, Verantwortung zu übernehmen, wird aber hellhörig, als ihm die flirtende Zahnfee in Aussicht stellt, ihm etwas über seine vergessene Vergangenheit zu verraten.
Die Hüter des Lichts ist zuvorderst ein amerikanischer Film mit amerikanisch gezeichneten Helden, allen voran Jack Frost, die Zahnfee und der Weihnachtsmann. Daran ändert auch dessen russischer Akzent nichts. Das Drehbuch verfasste David Lindsay-Abaire (Rabbit Hole) nach einer Vorlage des Schriftstellers William Joyce, der das Skript zu Triff die Robinons schrieb und 2012 den Oscar für den besten animierten Kurzfilm (The Fantastic Flying Books of Mr. Morris Lessmore) gewann.
Recht eindimensional stellt sich in seiner Geschichte das Gute gegen das Böse: Pitch ist ein facettenarmer Geltungssüchtiger, ein durch und durch "schwarzer Mann", seine Gegenspieler die glückspendenden Helden der Kindheit - und Jack Frost als eisiger Rotzlöffel mit Zauberstab mittendrin. Ganz klassisch ist auch der Aufbau der Story: Der wahre Held muss erst verstoßen werden, bevor er quasi im Alleingang triumphieren darf. Fantasievolle Einfälle sind ebenso wie spritzige Dialoge rar, den meisten Figuren fehlt die Tiefe. Am meisten Spaß machen noch das Sandmännchen und die kleinen Helfer des Weihnachtsmannes - bezeichnenderweise ohne Worte zu gebrauchen.
Das allein reicht aber nicht, um das Publikum auf Dauer zu bannen. Vor allem Erwachsene dürften vergeblich Halt in der Geschichte suchen. Ihnen hat der Film nichts zu erzählen, dazu fehlen Realitätsbezüge und Subtilität. Der Balanceakt der intergenerationellen Unterhaltung ist Dreamworks in diesem Jahr bei Madagaskar III - Flucht durch Europa deutlich besser gelungen. Sollten sich Die Hüter des Lichts in die Liste der erfolgreichen Animationsfilme der vergangenen Jahren einreihen, haben sie das weniger der Qualität der Story als dem gigantischen Marketingaufwand zu verdanken.