In Ace Ventura ließ er Jim Carrey aus seinem Hintern sprechen, in dieser Dokumentation versucht Tom Shadyac wiederum mittels Nobelpreisträgern, die Menschheit zum Positiven zu bekehren. Dabei fehlt dem Film allerdings eine geordnete Linie, genauso wie ein Inhalt, den nicht bereits Aristoteles vor über 2.300 Jahren zu Papier gebracht hat.
Der Mensch ist ein Mysterium - zu diesem Schluss kam bereits Milla Jovovich am Ende von Luc Bessons Das fünfte Element. Sowohl zu viel Schlechtem fähig, aber auch zu Gutem. Wo sich Liebe und Vergewaltigung quasi die Hand reichen. Doch was ist die wahre Natur des Menschen? Ist er gut? Ist er schlecht? Fragen, mit denen sich der Regisseur Tom Shadyac in seiner Dokumentation I Am beschäftigte, nachdem er drei Jahre zuvor einen schweren Fahrradunfall hatte, der ihn mit posttraumatischen Belastungsstörungen zurück ließ. "I welcomed death", sagt Shadyac. Doch statt den Tod fand er das Leben.
Tom Shadyac, das ist einer von vielen Hollywood-Regisseuren für Nonsense-Quatsch wie Ace Ventura. "I made Jim Carrey talk out of his arse", erklärt Shadyac seinen Gesprächspartnern wie dem Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu oder dem Linguisten Noam Chomsky. Die dürfen nun neben einigen anderen angesehenen Personen statt aus ihrem Gesäß mit dem Mund sprechen und gemeinsam mit dem Regisseur der Frage nachgehen, ob es auf der Welt ein Problem gibt, das all die anderen Probleme verursacht? Die Antwort ist dabei weniger geheimnisvoll als man erwarten würde. Aber das trifft auf den ganzen Film zu.
Denn die Wurzel allen Übels ist der Kapitalismus und die eigensinnige Gier nach mehr. Einer von Shadyacs Interviewpartnern sagt uns, dass Reichtum und Zufriedenheit für die Menschen Synonyme darstellen. Und dann berichtet der Regisseur von seiner eigenen 17.000qm Villa, seinen Privatflügen und seinem Vermögen und gesteht uns: "it made me absolutely no happier". Seine Dokumentation klärt uns auf, dass man mit zwei Milliarden nicht doppelt so glücklich ist wie mit einer Milliarde. Und dennoch würde vermutlich jeder lieber zwei statt einer haben. "Gier ist gut", heißt es dann von Gordon Gekko aus Wall Street.
Die Frage ist, was das alles nun eigentlich mit Shadyacs Fahrradunfall zu tun hat? Oder mit überhaupt irgendwas. Denn dass der Mensch weder absolut rein noch absolut böse ist, wissen wir nicht erst seit gestern. Genauso wenig, dass Geld allein nicht glücklich macht. Oder dass der Mensch an sich dazu konditioniert ist, ein Zoon politikon zu sein. Was I Am fehlt, ist eine klare Richtung und ein klares Ziel. Stattdessen mäandert der Film von einem Thema zum anderen. Ein bisschen Philosophie, etwas Biologie, dazu Anthropologie, Physik und Ethologie. Von allem also ein bisschen, allerdings auch nichts davon richtig.
Das Ergebnis ist nicht uninteressant, zum Beispiel wenn wir erfahren, dass in einer Tierherde nicht durch das Alphatier entschieden wird, sondern immer wieder basisdemokratisch. Davon abgesehen bewegt sich I Am aber zu sehr in philosophischen Hippie-Schwurbeleien, wenn auf die Äußerung, einer alleine führt keine Änderungen herbei, erwidert wird, dass das Meer auch nur aus einzelnen Tropfen Wasser besteht, die zueinander gefunden haben. Zwar gerät Shadyacs ethnologisch angehauchte Dokumentation durchaus unterhaltsam, aber dabei nie wirklich aufrüttelnd. Zumindest nicht so, wie es Shadyac vermutlich gerne gehabt hätte.