Coppolas Fortsetzung zu seinem legendären Mafia-Epos Der Pate war weltweit ein sensationeller Erfolg und sorgte nicht zuletzt durch Al Pacino und Robert de Niro in den Hauptrollen für Aufsehen. Vielfach als beste Fortsetzung eines Films überhaupt umjubelt, ist Der Pate 2 nach wie vor ein zeitloser Klassiker, auch wenn die Story durch die Massen an Charakteren streckenweise etwas unüberschaubar wird und der Film an sich auch ein klein wenig zu lang ist.
Fortsetzungen zu erfolgreichen Filmen erreichen nur selten die Qualität des Originals, oder können dieses gar übertreffen. Doch glücklicherweise bestätigen auch hier die Ausnahmen die Regel, wie beispielsweise die Klassiker Terminator 2 - Tag der Abrechnung, Aliens - Die Rückkehr und natürlich auch Der Pate 2 beweisen.
Coppolas Fortsetzung ist mehr als nur ein Aufguss des Originals, vielmehr ein bombastisches, eigenständiges Meisterwerk. Die stolze Spielzeit von über 200 Minuten verlangt dem Zuschauer einiges an Geduld ab, vor allem, weil die Geschichte der Corleones unter Michael als Don nicht um einige kleine Längen und zu große Handlungssprünge herumkommt. Was diesen Handlungsstrang zusätzlich schwierig macht, ist der Überhang an Charakteren. Die Figuren werden zum Teil nur sehr kurz eingeführt und das oft lange, bevor sie tatsächlich eine Rolle für die Entwicklung der Geschichte spielen. So verliert der ohnehin in seiner Aufmerksamkeit stets voll beanspruchte Zuschauer hin und wieder die Orientierung und kann nicht oder nur schwer nachvollziehen, warum der Ein oder Andere auf einmal zur Schlüsselfigur wird.
Das eigentliche Meisterwerk ist die, der Romanvorlage entnommene, Geschichte von Vito und den Anfängen der Corleones. Robert De Niro (Goodfellas - Drei Jahrzehnte in der Mafia) spielt seine Rolle als Vito ebenso sensationell wie Al Pacino (Scarface) die des Michael, beide Leistungen sind jedoch nur schwer direkt vergleichbar. De Niro bekommt gewissermaßen eine One Man Show, während Pacino ständig mit einer Vielzahl anderer Charaktere agieren muss. Gerade dieser Fokus auf das Wesentliche in den überaus stimmigen Bildern macht jedoch die Geschichte um Vito leichter verfolgbar und intensiver.
Schwierig bei dieser Erzählweise ist vor allem, dass zwischen den einzelnen Episoden sehr viel Spielzeit vergeht. So fällt es nicht ganz leicht wieder einen Einstieg in die viel komplexere, eigens für den Film von Coppola und Puzo entworfene Geschichte um Michael zu finden. Im Grunde genommen hätte man aus Der Pate 2 locker zwei Filme machen können, wobei sicherlich der Film um Vito Corleone der deutlich bessere wäre.
Zu den Darstellerleistungen muss man nicht viel sagen. Hier stimmt einfach alles. Pacino, der storybedingt zwar nicht mehr soviel Gelegenheit hat, die Entwicklung seiner Figur derart genial zu gestalten, wie noch im ersten Teil, liefert dennoch eine fantastische Leistung ab. Robert De Niro, der sich über Monate hinweg intensiv auf seine Rolle vorbereitet haben soll, bietet eine der besten Leistungen seiner Karriere und wurde zu Recht mit einem Oscar als Bester Nebendarsteller ausgezeichnet.
Insgesamt stimmt an Der Pate 2 zwar nicht alles, aber doch mehr als genug, um ihn als Klassiker zu bezeichnen. Der Pate 2 wird vielerseits als eines der großen, zeitlosen Meisterwerke der Filmgeschichte angesehen und selbstverständlich hat man es hier mit einem beeindruckenden Film zu tun, wie es einen solchen nur alle paar Jahre gibt. Sieht man Der Pate 2 zum ersten mal und hat bisher nur über den Film gelesen, ist es allerdings recht wahrscheinlich, dass die immensen Erwartungen nicht erfüllt werden. Betrachtet man ihn jedoch als Fortsetzung des fantastischen ersten Teils und somit auch als Ergänzung der Geschichte, bekommt man ein faszinierendes Werk mit perfekten Schauspielerleistungen geboten. So oder so, an der Pate-Trilogie kommt auf kurz oder lang keiner vorbei und so ist auch Der Pate 2 Pflichtprogramm für jeden, der sich auch nur ein bisschen für Filme interessiert.