Francis Ford Coppola schuf mit Apocalypse Now den vielleicht besten Kriegsfilm überhaupt. Die Geschichte überzeugt durch atmosphärische Dichte und mit der hochinteressanten Darstellung des psychischen Drucks einer handvoll Soldaten auf einer gefährlichen Mission. Zudem bietet Coppolas Werk einen beeindruckenden Blick auf die desolaten Zustände des US-Militärs in einem grausamen und sinnlosen Krieg. Apocalypse Now bietet beinahe durchgehend Szenen, die man nie wieder vergisst, was sich vom Anfang bis zum Ende durchzieht. Hinzu kommt ein authentischer Soundtrack, der ebenfalls seinen Teil dazu beiträgt, dass Apocalypse Now zu den besten Filmen aller Zeiten gehört.
Im Jahre 1899 feierte der britische Schriftsteller Joseph Conrad mit seiner Erzählung Heart of Darkness einen riesigen Erfolg und gelangte mit seinem symbolreichen Text zu weltweiter Anerkennung. Die Geschichte des Flussdampferkapitäns Marlow, der im Auftrag einer belgischen Handelsgesellschaft in die Tiefen des Kongos reist und nach einer wirren, erschreckenden Fahrt auf den Elfenbeinhändler Kurtz trifft, wurde mehrfach, mehr oder weniger nah am Original, filmisch umgesetzt. Die erste Verfilmung stammt aus dem Jahre 1958 und trägt den englischen Originaltitel, es folgten weitere Filme, die mehr oder weniger von der Geschichte inspiriert waren, wie zum Beispiel Apocalypse Now. 1993 griff der britische Regisseur Nicolas Roeg die Geschichte auf und verfilmte sie mit Tim Roth(Four Rooms) und John Malkovich (Burn After Reading) in den Hauptrollen ebenfalls unter dem Originaltitel Heart of Darkness.
Francis Ford Coppolas Apocalypse Now ist die mit Abstand bekannteste Verfilmung der Geschichte. Coppola, der zusammen mit dem Conan - Der Barbar-Regisseur John Milius das Drehbuch schrieb, versetzte die angepasste Handlung in die Wirren des Vietnam-Krieges und schickte Martin Sheen (Departed: Unter Feinden) auf eine düstere Reise zum Lager des wahnsinnig gewordenen Colonel Kurtz (Marlon Brando). Im Vordergrund stehen bei Coppolas Kriegsfilm nicht die Kampfhandlungen an der Front, sondern vielmehr der psychotische Wahnsinn dieses Krieges und die desolate Situation in den amerikanischen Truppen. Ähnlich wie in Platoon geht Apocalypse Now auch auf den Drogenkonsum vieler Soldaten ein. Worin sich dieser Kriegsfilm jedoch besonders von anderen unterscheidet ist, dass es kaum klassische Kampfhandlung gibt. Konzentrierten sich Filme wie Der Soldat James Ryan oder eben Platoon sehr auf den Kampf Mann gegen Mann, beziehungsweise Armee gegen Armee, ist dies bei Apocalypse Now nur am Rande präsent. Hauptsächlich im ersten Teil des Filmes werden die klassischen Gefechtsszenen thematisiert. Hierbei wurde sich aber größtenteils auf einen Angriff der Amerikaner auf ein vietnamesisches Dorf konzentriert, vietnamesische Gegenwehr ist verhältnismäßig eher selten zu sehen. Nachdem der Zuschauer nach einem beeindruckenden Angriff in der vielleicht populärsten Szene des Filmes endgültig verstanden hat, wo er sich befindet und worum es hier geht, beginnt erst die tatsächliche Geschichte. Im Mittelpunkt steht ein Boot mit einer handvoll Soldaten in einer unheimlichen und gefährlichen Gegend, der Rest ist mehr oder weniger Kulisse. Eine Kulisse, die eine allgegenwärtige Bedrohung darstellt und den Rahmen für das Grauen bietet, aber für die Soldaten auf dem Boot mehr und mehr an Bedeutung verliert, denn die Bedrohung ist allgegenwärtig und das, was wirkliche Angst hervorruft, ist die Ungewissheit.
Besonders genial an Apocalypse Now ist, neben der Story an sich, auch der gezielte Einsatz von Musik. Allein der Anfang, als mit "The End" von The Doors begleitet ein Napalmangriff auf ein Waldstück gezeigt wird, gehört zu einem der beeindruckendsten Anfangsszenen der Filmgeschichte. Wirklich berühmt wurde aber die Szene, in der der bereits erwähnte amerikanische Hubschrauberangriff auf das Dorf von Richard Wagners Walkürenritt begleitet wird.
Die komplette Inszenierung des Films ist einfach nur sensationell und sorgt dafür, dass die Geschichte über die vollen 202 Minuten spannend und beängstigend bedrückend bleibt. So wurde dieser vielleicht beste (Anti-)Kriegsfilm überhaupt auch mit zahlreichen Preisen, wie zum Beispiel der Goldenen Palme in Cannes für den besten Film und zwei Oscars für den besten Ton und die beste Kamera ausgezeichnet und in etlichen weiteren Kategorien nominiert.
Ursprünglich sollte, nachdem Steve McQueen ablehnte, die Rolle des Captain Willard mit Harvey Keitel (Hexenkessel) besetzt werden. Dieser spielte bereits zwei Wochen lang die Rolle, als ihn Coppola für ungeeignet hielt und diese Szenen mit Martin Sheen nachdrehte. Auch wenn Keitel sicherlich den Film auch nicht zerstört hätte, ist es kaum vorstellbar, dass man die Hauptfigur besser hätte besetzen können als mit Martin Sheen. Aber auch alle anderen Rollen sind bis ins letzte von absolut großartigen Schauspielern besetzt. Vom mächtigen Marlon Brando (Der Pate) als Colonel Kurtz, über Robert Duvall (Falling Down) und in einer kleinen Nebenrolle Harrison Ford (Auf der Flucht) bis hin zum unvergesslichen Dennis Hopper (Blue Velvet) als durchgeknallter Kriegsjournalist ist Apocalypse Now ideal besetzt. In der Rolle des erst 17-jährigen Tyrone "Clean" Miller ist Laurence Fishburne (Matrix), der später für Coppolla auch in Rumble Fish vor der Kamera stand, in seiner ersten großen Spielfilmrolle zu sehen.
Die Dreharbeiten zu Apocalypse Now gestalteten sich überaus beschwerlich. Beim Dreh wurde, wie bei anderen Vietnamkriegsfilmen auch (Kubricks Full Metal Jacket wurde sogar in der Umgebung um London gedreht), kein Fuß ins tatsächliche Vietnam gesetzt, stattdessen wurde er in der Dominikanischen Republik und auf den Philippinen gedreht. Die Dreharbeiten dauerten 16 Monate und sprengten die geplanten Produktionskosten erheblich. Hauptdarsteller Martin Sheen soll damals ein erhebliches Alkoholproblem gehabt haben und erlitt dazu auch noch einen Herzinfarkt und Dennis Hopper soll ohnehin die ganze Zeit extrem unter dem Einfluss von Whiskey und Kokain gestanden haben und musste zu allem Überfluss auch noch wegen einer Infektion im Hamburger Tropeninstitut behandelt werden.
Bei Apocalypse Now handelt es sich um die gut 50 Minuten längere, digital nachbearbeitete Fassung des Filmes. Hierfür wurde der Film größtenteils neu geschnitten und um einige Szenen erweitert. Dazu musste der Film neu synchronisiert werden, was aber durchweg von Vorteil war, denn alle Figuren, außer die des Captain Willard, wurden mit passenderen Sprechern belegt. Willard wird, wie im Original, von Robert De Niro-Synchronsprecher Christian Brückner gesprochen, was besonders der Atmosphäre zu Gute kommt. Diese neuere Fassung des Filmes von 2001 ist die deutlich bessere und natürlich durch die digitale Nachbearbeitung auch optisch beeindruckendere Fassung. Unter den hinzu gekommenen Szenen gibt es eine, die besonders diskutiert wurde. Die, in der Captain Willard auf einer französischen Plantage zu Gast ist. Doch auch wenn diese atmosphärisch kaum in die bedrohliche, düstere Stimmung, die der Film bis dahin so eindrucksvoll verbreitet, passen will, handelt es sich dabei dennoch um eine wichtige und hochinteressante Szene, die dem Film wirklich gut tut.
Auch wenn der Film in der Reduxfassung so lang ist, wie zwei andere Filme zusammen, gibt es kaum andere Filme, in die man seine Zeit besser investieren kann als in dieses gewaltige Meisterwerk. Francis Ford Coppola bewies mit Apocalypse Now einmal mehr seine Klasse und schuf einen Film, der auch all denen empfohlen werden kann, die sich sonst mit anderen Kriegsfilmen nicht so recht anfreunden können.