Tom und Sarah sind ein Paar. Kennen lernen, Hochzeit, Ehestreit. Das gemeinsame Glück währt nicht ewig und schon beginnen die beiden Turteltäubchen sich einen harten Rosenkrieg zu liefern.
In den Zeiten, da junge Studenten die freie Liebe propagierten und damit einem einstigen Tabu und der elterlichen Prüderie Paroli boten, besang der Franzose und Skandalmusiker (lange bevor es Eminem gab) Serge Gainsbourg mit seiner Geliebten Jane Birkin eine Platte, die jüngst durch den Sampler "I Love Serge" und auch Sven Väths zugegebenermaßen recht merkwürdige Interpretation es wieder zu gewisser Aktualität gebracht hat. Je t'aime... moi non plus lautete der obszöne Text, der seinerzeit seine Wirkung kaum verfehlte.
Liebe, die keine ist - das ist ein Thema des neuen Films von Shawn Levy, ebenjenem Regisseur, den wohl kaum jemand in Deutschland kennen dürfte. Sein letzter Streich Lügen Haben Kurze Beine zeigt die Streiche eines kleinen, notorischen Lügners, der es als schlechter Abklatsch von Kevin allein Zuhaus ziemlich krachen lässt.
Tom und Sarah sind die beiden Protagonisten des Films. Tom kommt aus ärmlichen Verhältnissen, ist schlaksig, moderiert eine Show im Radio und kommt sehr unordentlich daher. Sarah ist ein verwöhntes, wenn auch nettes Mädel aus reichem Elternhaus. Sie kennt die Regeln der Etikette so gut wie Tom die Spieler eines beliebigen amerikanischen Football-Teams aufzählen kann. Sie ist elegant, hübsch, gepflegt und trotzdem abenteuerlustig, weswegen, als sie Tom trifft, in ihm ihren Traummann findet - dem die Familie natürlich ablehnend gegenübersteht. Allen Widrigkeiten zum Trotz fackeln die zwei Turteltäubchen nicht lange und heiraten, so wie es sich gehört, mit allem dazugehörigen Pomp. Dass Sarahs Verehrer Peter zu den windigen Leuten aus finanziell geadelten Kreisen gehört, macht die ohnehin platte Geschichte nicht sonderlich reichhaltiger. Er ist der Böse, derjenige, der dem trotteligen und grenzdebilen Tom die wunderhübsche und zuckersüße Sarah wegschnappen möchte.
Vordergründig geht es in dem Film aber um Missverständnisse, das Aneinander-Vorbeireden und zu hohe Erwartungshaltungen. Tom kann natürlich nicht wissen, dass Sarah in Venedig lieber den Dogenpalast eingehend studiert als in einer amerikanischen Kneipe Bier zu trinken. Eigentlich spiegelt sich die verzwickte Situation auch in einer metaphysischen Ebene: der Honeymoon in Europa endet schließlich auch wegen des Nicht-Amerikanisch-Seins Europas im Desaster. Komfortansprüche und eine mangelnde Gabe zur Anpassung, zur Toleranzentwicklung gegenüber dem Anderen und dem Anderssein beginnen gleich am französischen Flughafen. Während dem unkritischen amerikanischen Publikum diese Erlebnisperspektive im Film verwehrt bleibt (besonders in Zeiten angespannter U.S.-europäischer Beziehungen), erlebt man hierzulande alleine dadurch eine geringfügige Aufwertung des sonst viel zu kitschigen, viel zu bornierten, viel zu einfallslosen, viel zu hollywoodesken Streifens. Tom und Sarah leben sich auseinander, weil einander nicht zuzuhören vermögen, weil sie nicht die Besonderheiten des anderen Geschlechts, mitsamt aller Marotten, akzeptieren wollen. Doch lieben tun sie sich trotzdem... Ist das nicht schön?