Brad Silberling gelang mit dieser biographisch angehauchten Tragikomödie eine gelungene Auseinandersetzung mit dem Tod. Die sehr gute darstellerische Leistung trägt zum Gelingen von Moonlight Mile viel bei.
Brad Silberling, dessen Werke Stadt der Engel und Casper bereits den Tod thematisierten, schrieb das Drehbuch zu Moonlight Mile mit besonderem Engagement. Man merkt dem Film jederzeit an, dass er von Herzen kommt, denn er ist stark autobiographisch geprägt: Silberlings Verlobte starb selbst bei einer Gewalttat kurz vor der Hochzeit. Die Kraft und das Selbstvertrauen für Moonlight Mile musste sich Silberling erst erarbeiten, genau wie Cameron Crowe, der sich erst nach einiger Zeit an sein autobiographisch geprägtes Werk Almost Famous - Fast berühmt heranwagte. Nur ist Silberlings Thema ein viel schwierigeres - der Tod. Und so ist Moonlight Mile, sehr persönlich und sehr mutig. Denn Silberling zieht hier kein reines Drama auf, sondern eine "Dramödie", die es versteht, mit tragikkomischen Momenten zu spielen, witzige Elemente einzubauen, ohne jedoch die ernste Thematik aus den Augen zu verlieren oder sich gar über sie lustig zu machen. Mit Hilfe von phantastischen schauspielerischen Leistungen des Donnie Darko Jake Gyllenhaal und der beiden Altstars Dustin Hoffman und Susan Sarandon entfaltet Brad Silberling eine Parabel auf die Trauerarbeit und all die Facetten, die ihrer Verrichtung zukommen kann.
Der Film schildert die Tragödie selbst nicht, bei Beginn der Handlung befinden wir uns im Trauerhaus der Familie Floss, wo der Verlobte der Verstorbenen bei den - vor dem Tod - potentiellen Schwiegereltern lebt. Die Tochter bzw. Verlobte kam durch Schüsse vom Nachbartisch eines Restaurants, als dort ein Streit ausartete, ums Leben. Dies versetzt die Protagonisten in tiefste Trauer, niemand weiß, wie es weitergehen soll. Hier gelingt es Silberling auf geschickte Weise, die inneren Konflikte der Hauptpersonen zum Teil auf witzige Art und Weise in Szene zu setzen. Alle drei stehen vor den Fragen, die nach dem Tod eines geliebten Menschen aufkommen. Jeder ringt mit sich und der Welt und sucht seinen eigenen Weg, wie er mit der Trauer umgehen kann und soll. Jeder tut dies auf andere Weise, und nicht jeder kommt mit der Art der Trauerarbeit des anderen zurecht: Die Mutter weiß nicht mehr weiter, beim Vater, dem Immobilienmakler, klingelt ständig das Telefon - dieses ständige Klingeln, ein genialer Running Gag, nervt nicht nur die Mutter, sondern auch den Zuschauer - worauf er immer abnimmt. Aber auch alltägliche Dinge während der Trauerarbeit stellen die Protagonisten vor Probleme: Soll Joe in das Geschäft seines "Schwiegervaters" einsteigen? Soll für den Todesschützen auf Todesstrafe plädiert werden? Wie und wann kann Joe seinen "Schwiegereltern" Jojo und Ben Floss sagen, dass die Trennung mit deren Tochter noch vor deren Tod beschlossene Sache gewesen war? Ein weiteres Problem ist, dass er sich verliebt hat, allerdings immer noch bei den Eltern seiner Verlobten wohnt. Dies führt zu Gefühlsverwirrungen bei allen Betroffenen.
Ein solcher Film kann nur mit sehr guten Schauspielern realisiert werden, ansonsten würde er nicht funktionieren. Die Tragikomik muss dem Zuschauer von den Schauspielern nahe gebracht werden, dass dieser sich involviert führt und die komischen Elemente nachvollziehen kann, ohne dass sie ihm sauer aufstoßen, was bei einem solch ernsten Thema, wie dem Tod, allzu leicht passieren kann. Aber sowohl das Buch als auch die Schauspieler demonstrieren eine gewisse Art von Demut, die die Nuance ausmachen zwischen Albernheit und Tragikomik. Hierbei ist vor allem die glänzende Leistung des Hauptdarstellers Jake Gyllenhaal hervorzuheben. Er versteht es, dem Zuschauer die etwas andere, gar etwas entartete Trauerarbeit nachvollziehbar zu machen, und dennoch bei der Darstellung seiner inneren Konflikte emotional zu berühren. Die Entscheidung, die Handlung in die frühen Siebziger zu verlegen, ist brillant, denn so wird auch eine gewisse Distanz zur heutigen Zeit geschafft, die hier wohl auch nötig ist. Dies führt auch zu einem hervorragenden Soundtrack, der aus Pop-Balladen und melancholischen Stücken besteht und die Geschehnisse perfekt untermalt. So erinnert der Film zeitweise etwas an Brit-Comedys, und verleiht dem Film den richtigen, aber ernsten "Spirit". Doch zum Teil verlässt sich Silberling zu sehr auf seine Darsteller und den Geist der Zeit. Die Konflikte lösen sich zu einfach und ohne Probleme, gerade gegen Ende drängt sich beispielsweise zu viel Sonnenschein durch den mit dichten Wolken verhangenen Himmel. Seiner Biographie entsprechend soll dies Mut für die Zukunft machen, zeigen, dass es immer einen für alle Beteiligten mehr als passablen Ausweg gibt. Dies wirkt aber bezüglich des vorher dargebotenen einfach überzogen und passt nicht so recht zur tragikomischen Stimmung, die Moonlight Mile vorher überzeugend darstellte. So verbreitet der Film zwar eine optimistische Stimmung, doch erzeugt dies einen faden Beigeschmack, da es das Konzept der vorangegangenen Handlung geradezu über Bord wirft. Dennoch: Ein überzeugender Film mit sehr gut aufspielenden Darstellern.