Ein filmisches Geschenk Gottes oder das Hirngespinst eines verrückten Tarantino? Es existieren beide Meinungen und jeder kann mit seiner Argumentation irgendwie überzeugen.
Sechs Jahre sind seit Tarantinos Jackie Brown vergangen und seitdem fiebern die Fans dem Release von Kill Bill - Volume 1 entgegen. Als die Entscheidung bekannt wurde, den Film in zwei Teile aufzusplitten, sind nicht nur im Internet die Schreie laut geworden, dass man damit den Film zu sehr dem Kommerz unterordnet. Doch was ist jetzt letztendlich herausgekommen? Wir durften Volume 1 des neuen Tarantinos vorab unter die Lupe nehmen und sahen nicht nur Positives...
Die Handlung von Kill Bill - Volume 1 wird ja bereits seit einigen Monaten gehandelt, dennoch will ich hier noch mal näher drauf eingehen: Eine schwangere Frau (Uma Thurman), die nur als "The Bride" bekannt ist, wird auf ihrer Hochzeit von ihren ehemaligen Kameraden der "DiVAS (The Deadly Viper Assassination Squad)" heimgesucht. Diese bringen alle Hochzeitsgäste inklusive dem Bräutigam um. Einzig und allein die Braut überlebt, liegt aber die nächsten vier Jahre im Koma. Doch sofort nach dem Erwachen hat sie nur einen Gedanken: Jeden Einzelnen, der mit dem Attentat zu tun hatte, zu töten!
Tarantino erzählt in seinem gewohnt unchronologischem Stil die Schicksalsgeschichte der ehemaligen "Black Mamba" oder auch "The Bride" genannt. Dass dies nicht sonderlich zimperlich abgeht, wird von der ersten Minute an klar. Gerade bei den asiatischen Einflüssen des Filmes - Anime, Martial Arts und Samurai Filme - läuft einem Filmfreak förmlich das Wasser im Munde zusammen. Aber auch die Kamerafahrten und fast schon göttlichen Schnitte zeigen, dass wir es hier mit einem Streifen zu tun haben, der sicherlich wie Pulp Fiction in die Filmgeschichte eingehen wird.
Aber nicht nur Positives kann man von dem neuesten Meisterwerk des Kult-Regisseurs berichten, denn Tarantino achtet nicht auf Brutalität, sondern lässt seinen - anscheinend etwas kranken - Gefühlen und Gedanken vollkommen freien Lauf. Und so kommt es, dass wir in jeder zweiten Szene eine Blutdusche zu sehen bekommen, die Splasher-Filmen alle Ehre machen würde. Das Schöne daran ist allerdings, dass er förmlich mit diesen Elementen spielt und dadurch eine unheimliche Ironie aufkommt. Man könnte also selbst diese Spielart als künstlerischen Stil betrachten.
Weiterhin erwähnenswert sind, ohne Zweifel, die groß angekündigten Martial Arts und japanischen Samurai-Einlagen, die selbst in einem asiatischen Film genial wirken würden. So liefert sich Uma Thurman in einer japanischen Bar das Gefecht ihres Lebens. Aber gerade bei diesen fern-östlichen Einflüssen muss man ganz klar die Inkonsequenz aufzeigen, mit der Tarantino diesen Film gemacht hat. So werden zwar viele Andeutungen und Impressionen übernommen, aber von einem echten Asia-Film ist Kill Bill - Volume 1 weit entfernt. Hier arbeitet der anscheinend zum Mainstream bekehrte Director dann wohl doch lieber für das breite und finanzkräftige Publikum.
Trotz dieser Nicklichkeiten hält der Film ganz klar das, was er verspricht: Action, Fun und viel Blut! Damit ist der erste Teil ein viel versprechender Auftakt des "Double Features" und endet mit einem Cliffhanger, der zwar sicherlich erst nach der Teilung des Films hineingeschnitten wurde, aber dennoch dafür sorgt, dass man die vier Monate bis zum Start von Kill Bill - Volume 2 kaum ertragen kann. Das Fazit ist klar: Kill Bill - Volume 1 ist ganz klar eines der Filmhighlights dieses Jahres und als passionierter Kinogänger darf man den "neuen Tarantino" auf keinen Fall verpassen!