Gelungene Verfilmung der berühmten Autobiografie Heinrich Harrers mit einem grandiosen Brad Pitt, der zeigt, was wirklich in ihm steckt.
Heinrich Harrers Autobiografie "Sieben Jahre in Tibet - Mein Leben am Hofe des Dalai Lama" ist eines der meistübersetzten Bücher aller Zeiten. 1952 erschienen, können die Leser heute in fast 50 Sprachen - auch in Tibetisch - die unglaubliche Geschichte Harrers miterleben, seinen Ausbruch aus dem britischen Internierungslager Dehra-Dun, die lebensgefährliche Reise nach Tibet und seine Eindrücke der sieben Jahre, die er in der Hauptstadt Lhasa auf dem "Dach der Welt" verbrachte, bevor er, wie auch der Dalai Lama, vor den Rotchinesen flüchten mussten. Der Krieg gegen China ist das dunkelste Kapitel Tibets, in dem über 1,2 Millionen Tibeter den Tod fanden.
Jean-Jacques Annaud, bekannt geworden durch Der Name der Rose, bleibt mit dieser bildgewaltigen filmischen Umsetzung der Buchvorlage weitestgehend treu. Wie schon in Der Bär, Der Liebhaber oder später auch in Duell - Enemy at the Gates dreht sich der Film doch hauptsächlich um die persönliche Wandlung des Hauptcharakters. Annaud erweiterte dazu die Vorlage um einige wahre Begebenheiten, die Harrer in seinem Buch verschweigt, wie die Schwangerschaft seiner Frau zu Beginn der Expedition.
Harrer wird dargestellt von einem grandiosen Brad Pitt, neben einem nicht weniger überzeugenden David Thewlis, bekannt aus Naked und Dragonheart, als Harrers Freund Peter Aufschnaiter. In bester Method Acting Manier eigneten sich die Schauspieler neben körperlicher Bergsteigerverfassung einen österreichischen Dialekt an, der die Originalfassung um Authenzität bereichert. Brad Pitt, der am Anfang seiner Karriere mit seinem Posterboy Image kämpfen musste, outet sich nach Sieben, 12 Monkeys oder auch Kalifornia ein weiteres Mal als vielseitiger und charakterstarker Schauspieler und stellt die Wandlung eines Egomanen zu einem weltoffenen, gefühlvollen Menschen mehr als überzeugend dar.
Annaud inszenierte den Film wie gewohnt sehr stimmungsvoll und detailverliebt. Da ihm für Aufnahmen in Indien, geschweige denn für Originalschauplätze, keine Dreherlaubis gegeben wurde, war er gezwungen, die Dreharbeiten nach Argentinien zu verlegen, wo die Berglandschaft nur schwer von der Tibets zu unterscheiden ist. Erst später kam heraus, dass ein Teil der Aufnahmen von einem geheimen Filmteam in Tibet gedreht wurde. Für die Darstellung des brutalen Übergriffs der Rotchinesen 1951 handelten sich Regisseur und Hauptdarsteller ein Einreiseverbot für China ein. Als Berater und Schauspieler ließ Annaud tibetische Mönche einfliegen, ebenso tibetische Hunde, Pferde und Yaks. Für die Rolle der Großen Mutter engagierte er mit Einverständnis des Dalai Lama dessen reale Schwester Jetsun Pema.
Nicht nur als Fan von Brad Pitt oder Dramen sollte man dieses Epos gesehen haben. Besonders auch Abenteuer- und Reiselustige, Asieninteressierte und Naturbegeisterte werden auf ihre Kosten kommen, nebenbei beleuchtet der Film die traurige Geschichte des Dalai Lamas und seines Volkes. Der überragende John Williams Soundtrack mit dem Cellisten Yo-Yo Ma unterstreicht die Stimmung. Ganz großes Kino.