Auch wenn Kitanos Interpretation der Zatoichi-Reihe nicht ganz mit seinen Meisterwerken Dolls und Hana-Bi mithalten kann, gelang ihm wieder ein sehr guter Film, der einen überzeugenden Hauptdarsteller, eine großartige Inszenierung und perfekte Musikuntermalung vorweisen kann. Für jeden Asia-Fan ein absoluter Must-See!
Zum ersten Mal in seiner Karriere wagte sich Japans Meisterregisseur Takeshi Kitano (Hana-Bi, Dolls) mit seinem elften Film an eine schon mal verfilmte Geschichte, nämlich die des blinden Masseurs und Schwertkämpfers Zatoichi - Der blinde Samurai. In der Zeit von 1962 bis 1989 durfte der Titelheld, der übrigens immer vom gleichen Darsteller Shintaro Katsu gespielt wurde, insgesamt in 26 Filmen einzelne Dörfer von Kriminellen befreien. Kitano wagte es nicht nur, dieser klassischen Serie ein neues Gewand zu verpassen, er übernahm ebenso die Hauptrolle des blinden Schwertkämpfers.
Zatoichi ist ein blinder Reisender, der sich im 19. Jahrhundert seinen Lebensunterhalt als Masseur und durch das Glücksspiel verdient. Hinter dieser Maske steckt jedoch ein meisterhafter Schwertkämpfer, der sich immer bereitwillig für die Unterdrückten und Schwachen einsetzt. So auch, als er in einem kleinen Bergdorf ankommt, welches von der gefürchteten Ginzo-Gang regiert wird. Gemeinsam mit zwei Geishas, die auf der Suche nach dem Mörder ihres Vaters sind, macht er sich auf, um Gerechtigkeit in das kleine Städtchen zu bringen.
Die Macher des Filmes hielten sich bei der Handlung des Filmes stark an die Vorlagen, die im Grunde immer das gleiche Schema hatten: Zatoichi kommt in ein unterdrücktes Dorf und befreit dies von jeglicher Kriminalität. Dieses Motiv ist zwar nicht sonderlich originell, jedoch gelang es Kitano, diese einfache Story durch Zeitsprünge und seiner episodenhaften Erzählweise, ein wenig aufzupeppen. Damit bekommt man nicht nur einen typischen Zatoichifilm zu sehen.
Die Inszenierung von Kitano ist, wie bei fast jedem seiner Filme, sehr überzeugend geworden. Nach dem farbenfrohen Meisterwerk Dolls kehrte der Regisseur wieder zu seiner blaulastigen Art zurück, die zu der gesamten Atmosphäre des Filmes überaus passend wirkt. Neben dem ruhigen Stil hat man bei diesem Film auch einen großen Raum für Humor gelassen, so ist dies wohl der erste Kitano-Film der einen typischen Sidekick zu bieten hat, den größten Brüller jedoch darf Kitano selbst abgeben.
Des Weiteren gelangen ihn auch wieder großartige Kamerapositionen, die seinesgleichen suchen und ebenso die Schnittarbeit ist, wenngleich für Kitano-Verhältnisse fast etwas hektisch, überaus gelungen. Ebenso meisterlich ist die Musikuntermalung, die diesmal nicht von Kitanos Haus- und Hofkomponisten Joe Hisaishi stammt, sondern von Keiichi Suzuki, dem es aber ebenfalls gelang, durch seine perfekte Symmetrie zwischen den Filmszenen und seiner Musik, einen atemberaubenden Score auf die Leinwand zu zaubern.
Es gibt wohl keinen anderen Schauspieler, der mit so wenig Mimik so viele Gefühle ausdrücken kann wie Takeshi Kitano. Dies stellt er mit seiner Darstellung der titelgebenden Figur Zatoichi - Der blinde Samurai wieder einmal eindrucksvoll unter Beweis. Seine Leistung ist wie immer grandios, auch wenn sie meiner Meinung nach nicht ganz an die von Hana-Bi oder Battoro Roweiaru heranreicht. An seiner Seite hat man mit dem asiatischen Comedystar Guadalcanal Taka genau den richtig Mann für Zatoichis Sidekick Shinkichi besetzt, der den Zuschauer einige Male zum Lachen bringt. Ebenso prominent besetzt wurde die Rolle des von der Gangsterbande angeheuerten Samurais, der von Koroshiya 1-Hauptdarsteller Tadanobu Asano überzeugend in Szene gesetzt wurde.
Mit seinem elften Film gelang es Takeshi Kitano wieder einen großartigen Streifen auf die Leinwand zu zaubern. Auch wenn er diesmal nicht an die Qualitäten von seinen Meisterwerken Dolls und Hana-Bi heran kommt, braucht er sich nicht vor ihnen zu verstecken, da sich Zatoichi - Der blinde Samurai auf ähnlich hohem Niveau befindet.