Unausweichlich muss man bei diesem Film den Vergleich zu Gladiator und Troja ziehen und feststellen, dass Alexander nicht einmal an die Klasse von Petersens Griechen-Epos herankommt, von Ridley Scotts Meisterwerk ganz zu schweigen. Historiker werden die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn sie Oliver Stones Geschichte sehen und der gemeine Kinobesucher wird auf eine harte Geduldsprobe gestellt, denn dieses Werk besteht aus null Prozent Spannung, fünf Prozent Action und fünfundneunzig Prozent Langeweile.
Ein Film über "Alexander den Große" von Regisseur Oliver Stone. In den Hauptrollen Colin Farell, Angelina Jolie und Val Kilmer. Vor allem beim Hören der ersten beiden Namen geht man voller Vorfreude und Erwartung ins Kino. Denn da Stone ja schon manch visuelles Meisterwerk auf die Leinwand gezaubert hat, erhoffen sich die Meisten von Alexander ein spektakuläres Geschichtsepos. Doch jäh werden die Hoffnung und die Freude zerstört.
Der Sinn und Zweck dieses Streifens bleibt dem Zuschauer verborgen. Alexander ist kein Geschichtsfilm, denn er vernachlässigt fast alle wichtigen historischen Fakten über Alexander den Großen. Weder wird näher auf seine enge Schüler-Lehrer-Beziehung zu Aristoteles eingegangen, noch wird die bekannte Schlacht bei Issos gezeigt, und auch der berühmte "gordische Knoten" kommt nicht vor. Das sind alles Dinge, die man sofort mit Alexander dem Großen assoziiert. Zudem wird der Eroberungsfeldzug Alexanders nur durch eine Stimme aus dem Off erzählt. Der Film soll viel mehr eine Psychoanalyse des Eroberers sein. Bei einer Person, die vor über 2300 Jahren gelebt hat und über die es keine detaillierten Aufzeichnungen gibt, ist ein Zweifel an deren Glaubwürdigkeit wohl berechtigt. So zeichnet Oliver Stone Alexander nicht als übermächtigen Helden, sondern als schwer definierbaren Charakter. Sein Hauptaugenmerk hat er dabei darauf gelegt, Alexander als Homosexuellen zu entlarven, denn genau auf diesem Thema wird penetrant herum geritten.
Da es sich bei Alexander dem Großen um den größten Feldherrn aller Zeiten handelt, erwartet man in einem Film über diese Figur natürlich auch imposante Schlachten. Aber darauf wartet man vergeblich. In knappen drei Stunden bekommt man genau zwei Kämpfe zu sehen, und bei diesen machte Stone auch noch den schlimmsten Fehler, den man bei Kriegsszenen machen kann. Er unterlegte sie mit dramatischer Musik und schnitt die Bilder dazu so hektisch und schnell, dass es schon fast in den Augen weh tut. Den Einsatz von Zeitlupen, die hierfür normal unabdingbar sind, lässt er gänzlich vermissen. Bei der letzten Schlacht erscheint dann auch noch das ganze Bild in einem Rotstich. So etwas mag vielleicht in einem Tarantino Film klasse wirken, ist in einem Streifen über eine historische Figur aber enorm unpassend und auch hier bleibt unklar was Stone damit erreichen wollte.
Die Schauspieler zu bewerten fällt bei weitem schwieriger. Sie gehen in den Dialogen, die ohne jede Intensität gestaltet wurden, völlig unter. Hervor zu heben ist nur Val Kilmer, der seine Rolle als Alexanders Vater hervorragend spielt. Minimalmime Colin Farell, der hier mit Fönfrisur agiert, nimmt man seine Rolle als großer Feldherr allerdings nicht ab. In manchen Szenen, beispielsweise in der er mit seiner Frau Roxanne schläft, gibt er sich gar der Lächerlichkeit preis.
"Warum nur?" fragt man sich. Warum nur hat Oliver Stone diesen Streifen gedreht? Warum lässt er alle geschichtlichen Tatsachen außen vor? Und warum nur ist der Film fast 180 Minuten lang? Alexander nur dialoglastig zu nennen wäre eine riesen Untertreibung. Der Film ist ein einziger Dialog. Punkten kann er nur durch seine detailgetreue Ausstattung, die gute Filmmusik und durch Val Kilmer. Oliver Stones Versuch, die Figur des Alexanders spannend zu charakterisieren, ist völlig gescheitert. Zu fern ist die Zeit, zu groß die Distanz zwischen Kinobesucher und Hauptfiguren. Wer sich das Werk trotzdem antun will braucht vor allem viel Sitzfleisch. Selten hat man sich so über den Tod einer Hauptfigur gefreut, denn damit nimmt der Film endlich ein Ende. Beim Verlassen des Kinos schwingt dann die Enttäuschung mit, dass eine Geschichte, deren historischen Fakten allein für zwei Drehbücher gereicht hätten, derart umgesetzt wurde.